Die erste KundinTuesday, March 17. 2009
Es klopfte an Selyrans Tür.. Sie rief „Herein denn, es ist offen“. Zur Tür herein kam die Iksar-Dame, der Selyran in der Bibliothek begegnet war.
Ohne groß zu zögern schaute sie sich um, setzte sich auf einen der Sessel vor dem Kamin, nachdem sie einigermaßen umständlich versuchte inen Platz zu finden ohne ihren schuppigen Schwanz einzuklemmen. Ordnete den Faltenwurf ihrer schimmernd weißen Robe. Ihr Schuppen schimmerten in eine zwischen Dunkelgrün und Braun wechselnden Farbe im Spiel des sich darauf spiegelnden Kaminfeuers. Die Hellen gelben Zeichnungen kontrastierten gut dazu und verliehen Ssrissetalias Blick die fast fragende Neugier eines Kindes, das nur spielen will. Doch Selyran schätzte das ein Spielen mit dieser Echse wohl tödlich sein könnte. Ssrissetalia legte das Buch „Geschichten des Natternkanals“, so feucht wie es immer noch war, auf den Tisch vor sich. „Ich habe hier eine Lisste von Zsaubersprüchen die ich ersst im 2. Grad eines Lehrlings beherrsche. Nun, sso schaut ob ihr Pergamente und Bücher habt die meine Kenntnissse verbesssern können.“ Selyran prüfte die Liste. „Was ist mit Feuerball?“ Eitel lehnte sich Ssrissetalia zurück. „Darin bin ich Meisster. Wollt ihr es sehen.“ Ssrissetalias Finger spielten schon wie lässig in der Luft herum und erste Anzeichen einer schnell größer werdenden Feuerkugel wurden sichtbar. „Nein, nein, meine Dame. Ein Beweis ist nicht nötig“ beeilte sich Selyran zu versichern, ehe ihre kostbaren Pergamente ein Raub der Flammen wurde. Ssrissetalia streckte sofort ihre Finger und der Feuerball zerbarst in einem Regen kleiner Funken, vor dem Selyran schnell das Buch von Ssrissetalia in Sicherheit brachte. Die Iksar-Dame fauchte: „Dass Buch gehört euch ersst, wenn ich die Zaubersprüche habe“ „Ich wollt es nur trocknen, damit die Schriftzeichen nicht verwischen.“ Schnell legte Selyran raue Pergamentbögen zwischen die Seiten und legte das Buch etwas zur Seite. Sie setzte sich an ihren Schreibtisch und machte sich an die Arbeit. Interessiert sah Ssrissetalia zu wie sich Runen auf den Pergamenten formten, fremdartige Schriftzeichen plötzlich einen Sinn erhielten und verschlungene Lettern zu schimmern begannen kaum waren sie niedergeschrieben. Ein sanft einlullender Weihrauchduft lies sie im leisen rascheln der Pergamente fast benommen werden. Auf einmal verspürte sie den Drang, diese irgendwie unheilvoll wirkende Ruhe mit ihrer Stimme zu durchbrechen. Selyran, still vor sich hin lächelnd, sagte nur: „Erzählt mir von euren Reisen, Ssrissetalia. Ich höre zu.“ Dabei arbeitete sie unbeirrt weiter. Ssrissetalias Stimme war etwas zu laut, so als wollte sie die sich verdichtende Stille schnell hinwegwischen. „Wart ihr schon einmal in den Gemeinlanden? Sie wartete keine Antwort ab, achtete auch nicht auf Selyrans Kopfschütteln. „Ich ssage euch, das ist ein sseltsamer Ort. Mir ist da kürzlich etwas begegnet, also ich bin noch jetzt perplex wenn ich daran denke.“ „Wass war ess denn fragte Selyran leise?“ „Aua, jetzt red ich auch schon so, murmelte Selyran vor sich hin. „Ich war mit einer Dunkelelfe namens „Kalisshá unterwegs, einer Inquissitorin wie ssie behauptet. Eigentlich ssuchten wir irgend ein gefalleness Tor. Wir fanden auch einess, nur war das nicht gefallen... alsso ess sstand noch da, in einer Mauer.“ Selyran bemühte sich ernst zu bleiben. „Da stand ein Schild drauf, auf dem in feinstem Orkisch zu lesen war „Ausbildungsplatz“. Also ich hatte nicht wirklich gedacht, dass Orksse zur Sschule gehen, jedenfalls und da wir dass andere Tor eh nicht gefunden haben, traten wir ein. Und dahinter sstanden wirklich Orksse, Orksse mit Elefanten. Und was für grossen Elefanten. Jedenfalls, alss ich mir die genauer ansehen wollte, rannten die auf einmal begeisstert auf unss zu. Ich war direkt gezwungen die mit ein wenig Feuer wegzubruzzeln, so aufdringlich waren die. Naja, jedenfalls hatten wir die anrennenden Orkhorden recht lässig besiegt. Wass kann schon wiederstehen wenn die vereinigten Armeen von Ssrissetalia und Kalishà gegen ssie aufstehen. Aber ich bin ja nicht dumm, zumindest ich nicht. Als der Platz gut gesäubert war, entdeckte ich am Ende des Weges einen Kral. In dem standen drei recht grimmig aussehende Elefanten. Mit ssehr ssehr kleinen tückischen Augen.“ Selyran blickte zu Ssrissetalia, die in der Erinnering ihre Augen fast geschlossen hielt, und konnte sich den tückischen Blick plötzlich sehr gut vorstellen. „Es standen auch ein paar Orkssoffiziere herum, aber um die machte ich mir keine Ssorgen.“ Ssrissetalia winkte lässig ab. „Und vor dem Kral, ein Sstück entfernt stand ein einzelner uralter Kriegselefant. Der war wirklich alt, uralt, bemoost, behäbig vor sich hin kauend stand der einfach nur rum. Kein Bewacher weit und breit. Allssooo dachte ich. Dann mal ssehen wass der drauf hat, bevor wir uns an die drei im Kral wagen. Also Kalishá ging schon mal an eine sichere Stelle um mich zu heilen. Ich lockte das Rüssseltier mit einem kleinen unschuldigen Feuerbällchen an, ... und im selben Moment flog ich auch schon in hohem Bogen von der Stirn des Elefanten getroffen und vermutlich vom Rüssel in die richtige Richtung geschmissen, durch die Luft. Und ich landete ganz genau in der Mitte der drei Elefanten im Kral, während die Zuschauer, diese Orksse johlten und kicherten. Ich war im ersten Moment viel zu verdattert etwas zu machen und im nächsten trampelten diese Elefanten schon auf mir rum. Ich kam erst irgendwo bei der Gabelang wieder zu mir, keine Ahnung wie ich da hinkam. Findet ihr es nicht auch sseltsam, das Elefanten sso geplant kämpfen.... ein ssseltsamer Ort ist das da.“ Ssrissetalia sah Selyran an, die ihr nun einen Stapel Pergamente und 3 Bücher entgegenhielt. „Hier sind die Zauber“, und „ja, man erlebt mit der Tierwelt so manches merkwürdige. Ssrissetalia hörte schon gar nicht mehr zu, während Selyran leiser sagte. „Ihr ahnt gar nicht, wie merkwürdig es noch werden wird.“ „Dann ist das andere Buch nun das eure. Irgendwelche Märchen, pha, wer braucht denn so was.“ Ssrissetalia fegte zur Tür hinaus, ich komme wieder wenn ich die nächsten Sprüche brauche, sicher finde ich bis dahin wieder irgend eine alte Schwarte“ sagte sie noch, ehe sie die Tür hinter sich zuzog ... und im Vorraum des Gasthauses von völlig empörten Quaken begrüsst wurde. „Passt gefälligst auf wo ihr hintretet“. Mit einem für sie ziemlich unverständlichen Quakereien verschwand der Froschlok eilig im Raum von Selyran. Ssrissetalia fragte sich welchem nachsichtigen Iksar dieser Froschlok-Sklave wohl gehören mag, den hätte sie längst zu Eintopf verarbeitet. Erst wollte sie noch mal zurück um der Kröte zu zeigen wie man sich einem höheren Wesen gegenüber verhielt, aber dann schien ihr das zu unwichtig und sie verließ die Taverne.
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Selyran lässt sich in ihrem bequemen Lehnstuhl vor dem Schreibtisch nieder. Nebenan im Herd flackert ein gemütliches Feuer. Das Knistern der Holzscheite erfüllt ihren Körper mit Wärme und lässt ihre vom Alter gezeichneten Hände etwas weniger Schmerzen. Vor ihr liegt ein Stapel alter Pergamente, schon fleckig vom Alter wie sie selbst. Federkiele von seidiger Qualität liegen in einer Schale. Selyran geniesst die Stille nach dem Trubel in der Handwerkergilde und die Ruhe die sie umgibt. Nur ihr Fledermausscherge, der ihr zu Diensten ist durchteilt die Stille zuweilen mit leisem und doch schrillem Rufen. Er benagt ein paar der Schädel in der offenen Truhe in Selyrans Räumen. Seufzend steht Selyran noch einmal auf und wirft ihm ein paar Brocken der erlegten Straußengeier hin. „Da ist wenigstens noch Fleisch dran Karan“, sagt sie, bevor sie wieder zum Schreibtisch zurückgeht und ihre Gedanken sammelt.
Kaum ein Tag ist es her, dass sie nach langer Irrfahrt in Freihafen angekommen ist. Ihre Ankunft wurde ihren Kontaktleuten schon angekündigt, so das diese bereits unterwürfigst mit ihrem Tribut aufwarteten. Es war genug, um sich eine Suite im Jadetiger in Nord-Freihafen anzumieten, nur ein paar Schritte entfernt von der Magierakademie und der Heimstatt der Scholaren und Gelehrten Freihafens. Sie schaute in den Spiegel über ihrem Schreibtisch in dem sich die Leuchter des Zimmers spiegelten. Dachte an die selbst gewählte Aufgabe die vor ihr lag und prüfte ihr Aussehen.
Ein schmales Gesicht von fasst Elfenhaft feinem weißem Haar umgeben, zu einem Knoten geschlungen aus dem drei zierliche Flechten herabrinnen. Leuchtende Augen, in deren Tiefe und Erfahrenheit man versinken möchte und durch deren kaltem Glanz man zugleich zurückgestoßen wird. Feine Fältchen durchziehen ihr Gesicht und plötzlich wirkt sie einfach nur noch müde. Ihre Gedanken gleiten zu dem Moment da ihr langes dunkles Haar plötzlich die Farbe von Schnee annahm...
So oft wollte sie es sich schon von der Seele schreiben... Einen Moment greift sie nach der Feder tunkt sie in die Tinte und glättet eines ihrer Pergamente. Als sie beginnen will zu schreiben tropft die Tinte aufs Pergament. Im selben Moment scheint das Pergament die Tinte wie ein lebendiges Wesen aufzusaugen. Sie fließt durch die feinen Äderungen des Pergaments. Einen Moment lang betrachtet Selyran das Pergament verwirrt, das für Sekunden nur, an fein geäderte menschliche Haut erinnert, auf der die Venen deutlich zu sehen sind. Gleich dem erblühenden Busen eines jungen Mädchens. Schneeweiße Haut mit der Zeichnbung dunkler Venen, Marmorgleich.
Nein... noch kann sie es nicht, noch ist sie nicht dazu imstande zu erklären wer sie ist. Was sie will, ja, das wird die Stadt schon bald erfahren. Ein Lachen erklingt, ungebändigt und schrill. Nichts gutes verheißend. Sie blickt erneut in den Spiegel und ihre Lippen beginnen Worte zu formen. Worte die in dieser Art seit langer Zeit niemand hier in dieser Stadt vernommen hat.
„Trokan nadrikar saramwyrm belwog´nsa. Selywrynsa nideskallo lorman natrach mi ameta thul. Selywrn atschesma kurin“
Ihre letzten Worte wiederholt sie immer leiser werdend wie ein Gebet durch das sie Ruhe findet. Wie hypnotisch werden ihre Blicke von dem Spiegel angezogen, in dem siche die Ahnung einer fernen Landschaft abzeichnet. Noch sind es nur verwobene Linien die auf einen endlosen Horizont hinaus laufen in einem fast unbarmherzigen Glanz, dann werden Formen sichtbar, Farben... Um Selyran zieht sich die Dunkelheit zusammen....